Großbrand am 20. Juli 1901
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Großbrand am 20. Juli 1901

Von Mechtild Hofmann

die Wolterdinger Kirche vor dem großen BrandHundert Jahre ist es nun her, daß am Spätnachmittag ein Großbrand Wolterdingen in Angst und Schrecken versetzt hat: Innerhalb von zwei Stunden wurden die Kirche, vier Privathäuser sowie die beiden Gasthäuser Hirsch und Kreuz komplett vernichtet. "Der Rauch steigt noch aus den Trümmern der niedergebrannten Wohn- und Ökonomiehäuser", berichtet eine Zeitung am Tag danach und fährt fort: "Von der Kirche stehen nur noch die Mauern des Langhauses und des Turmes. Das Blechdach des letzteren liegt auf dem zertrümmerten Kriegerdenkmal. Im Bach liegen, an der Brücke sich sperrend, halbverkohlte Balken, die wohl schwimmend noch gebrannt und die Brücke von unten entzündet haben." Es war offenbar ein "schaurig schöner Anblick" als der Kirchturm gleich einer Riesenfackel den Abendhimmel erleuchtete, sich langsam zur Seite neigte und um halb zehn auf die Straße stürzte. Die Glocken waren schon früher herabgerissen.

In unmittelbarer Nähe der Kirche, im Ökonomiegebäude des Kirchenbauers Adrian Strobel, war das Feuer gegen 17.30 Uhr ausgebrochen. Dort hatte offenbar ein knapp fünfjähriger Junge mit dürrem Tannenreis ein Feuerchen entzündet, das sich im wahrsten Sinne des Wortes im Fluge ausbreitete. Das Ökonomiegebäude stand schnell in Flammen und ein schwacher Wind trieb den damaligen Zeitungen zufolge brennende Schindeln am Wohngebäude vorbei zum gegenüberliegenden Doppelhaus und dem benachbarten Gasthaus zum "Hirschen" (jetzt Bäckerei) und von dort aus weiter zum Gasthaus "Kreuz", dem heutigen Rathaus sowie über die Breg hinweg zu einem Wohnhaus auf der Insel.

"Es ist den im höchsten Grade anerkennenswerten Leistungen der wackern Männer zu verdanken, daß nicht das ganze Dorf vernichtet wurde", lobt "der Schwarzwälder" die Arbeit der Feuerwehren. Löschmannschaften aus Wolterdingen, Zindelstein, Donaueschingen, Hubertshofen, Bräunlingen, Hüfingen, Klengen, Tannheim, Vöhrenbach, Grüningen und Bruggen waren im Einsatz, um dem "rasend fortwütenden Element Schranken zu setzten". Sie konnten allerdings nicht verhindern, daß innerhalb von zwei Stunden sieben Gebäude vollständig ausbrannten. Das stark gefährdete damalige Rathaus allerdings, das Haus an der Ecke Kirchbühl- / Hauptstraße neben der Kirche also, konnte ebenso gerettet werden wie die weiteren anderen angrenzenden Häuser. Sicherheitshalber hatte die Feuerwehr deren Dächer durchfeuchtet, um weiteren Funkenflug im Keime zu ersticken. Gerettet werden konnte auch die Brücke über die Breg, die damals noch aus Holz bestand (erst 1906 wurde die inzwischen unter Denkmalschutz stehende Betonbrücke erbaut).

Dagegen hatte es die Kirche stark erwischt. Dabei war der einschiffige Bau mit dachförmiger Holzdecke erst 40 Jahre zuvor anstelle seines baufällig gewordenen Vorgängers errichtet worden. Mit dem Neubau begannen die Wolterdinger schon wenige Wochen nach dem Brand. Diesmal entschieden sie sich für eine dreischiffige Anlage mit einem neugotischen Kreuzgewölbe. Die Steine für diesen Bau stammen übrigens aus Wolterdinger Gemarkung, vom Hallenberg nämlich.

Aber auch dieser Bau stand lediglich rund 40 Jahre. Bei einem schweren Fliegerangriff am 22. Februar 1945 wurde die Kirche erneut zerstört. Damals wurde auch das angrenzende Wohngebäude der Familie Strobel so stark getroffen, daß es abgerissen werden mußte. Adrian Strobel hatte es 1903 mitsamt des Brandplatzes an die Gemeinde verkauft, die dort Schwesternhaus und Kinderschule unterbrachte. Den Neubau, das Hauptgebäude des heutigen Kindergartens also, erbaute die damals noch selbständige Gemeinde 1953/54.

Das der Kirche gegenüberliegende Gasthaus zum Hirschen ist dagegen heute noch weitgehend so erhalten, wie es nach dem Brand aufgebaut worden war. Lediglich die Ökonomiegebäude wurden im Krieg stark zerstört. Der Tannheimer Bäcker Franz Dufner hatte 1930 das Gebäude übernommen und es zu einer Bäckerei umgebaut. Das benachbarte Gasthaus zum "Kreuz" ist bereits 1919 aufgegeben worden. Die Gemeinde kaufte das vom damaligen Besitzer wieder aufgebaute stattliche Gebäude mitsamt den knapp 21 Hektar dazugehörigem Wald am Badmühle-Bächle und richtete dort ihr neues Rathaus ein. Eine Stallung wurde zum Arrest- und Wachlokal und die Scheune zum Gemeindebad ausgebaut, in der bis in die 50er Jahre Männer und Frauen, Jungen und Mädchen sich zu festen Zeiten baden konnten.

Kein Wunder, daß sich angesichts des Großbrands vor hundert Jahren sowie des Bombenangriffs 1945 das Bild der Wolterdinger Dorfmitte einschneidend verändert hat. Dabei klingt die Schadenshöhe von insgesamt 170 600 Mark aus heutiger Sicht äußerst gering. Zum Glück ist bei dem Großfeuer kein Mensch getötet worden.

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