Die Wolterdinger Pfarrkirche - ein Abriß nach Emil Hauger
Einst
Eigenkirche wurde Wolterdingen wohl in zähringischer Zeit Pfarrei. Deshalb besaß
es schon früh eine Pfarrkirche. Die erste urkundliche Nennung des hl. Kilians
als Kirchenpatron stammt aus dem Jahr 1340. 1699 mußte die Pfarrkirche gründlich
Repariert werden. Knapp hundert Jahre später war die Kirche derart baufällig,
daß man über einen Neubau nachdachte. Nachdem Teile der Kirche eingestürzt waren,
begann 1799 endlich die Renovation. 1855, war ein neues Pfarrwohnhaus fertiggestellt
worden. Das bisherige, das heutige Josefsheim, diente fortan nur noch als Ökonomiegebäude.
Der Grundstein für den lang ersehnten Kirchen-Neubau konnte erst 1861 nach einigen
Auseinandersetzungen mit der Standesherrschaft begonnen werden. Lediglich 40
Jahre stand dieser Bau. Am
20. Juli 1901 zerstörte eine Feuersbrunst einschließlich der Kirche. Mit
dem Neubau begannen die Wolterdinger schon wenige Wochen nach dem Brand. Diesmal
entschieden sie sich für eine dreischiffige Anlage mit einem neugotischen Kreuzgewölbe.
Die Steine für diesen Bau stammen übrigens aus Wolterdinger Gemarkung, vom Hallenberg
nämlich. Aber auch dieser Bau stand lediglich rund 40 Jahre. Bei
einem schweren Fliegerangriff am 22. Februar 1945 wurde die Kirche erneut zerstört.
Schon bald nach dem Angriff nahm Pfarrer Glatz den Wiederaufbau in Angriff.
Anstelle des gotischen Kreuzgewölbes trat eine Kassettendecke. In den beiden
Weltkriegen mußten jeweils Wolterdinger Glocken abgegeben werden. Das heutige
Geläut wurde 1955 in der Glockengießerei Schilling in Heidelberg gegossen: die
Dreifaltigkeitsglocke, mit einem Durchmesser von 1,1 Meter, einem Gewicht von
935 kg die größte (Ton f'), die Marienglocke (0,96 m / 588 kg / as'), die Kilians-Glocke
(0,86 m / 428 kg / b') und die Schutzengelglocke (757 m / 281 kg / des''). Das
Innere der Kirche wurde 1978 gründlich renoviert und eine Fußbodenheizung eingebaut.
Den neuen Zelebrations-Altar weihte Erzbischof Dr. Oskar Seier am 15. Juli 1979.
Er entstand mitsamt Ambo und Osterleuchter in der Werkstatt des Bildhauermeisters
Michael Huber, Oberkirch. Seit der Erneuerung hängt das Missionskreuz im Chorbogen.
Der Schmerzensmann an der Säule, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, befindet
sich in der Seitenkapelle. 1903/04 erhielt die Pfarrkirche eine neue Orgel,
die das Überlinger Orgelbaugeschäft Wilhelm Schwarz mit 16 Registern und 927
Pfeifen baute. Diese Orgel wurde nach dem Krieg umgebaut und auf 23 Register
erweitert.
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